Manuel Hailfinger und Norbert Lins (1., 2. Reihe von unten ganz links) besuchten das Lagerhaus im Albgut in Münsingen, begleitet wurden sie unter anderem von Pia Münch, stv. Vorsitzende von LEADER Mittlere Alb
Foto: LEADER Mittlere Alb
Norbert Lins MdEP und Manuel Hailfinger MdL besichtigten Projekte von LEADER Mittlere Alb und tauschten sich über den Erhalt des Programms ab 2028 aus
Am 19. Juni 2026 startete Norbert Lins, Mitglied des Europäischen Parlaments, seine Sommertour im Kreis Reutlingen. Dies bot Anlass für die Besichtigung von Projekten im ländlichen Raum, schließlich ist er im Parlament stellvertretender Vorsitzender für den Ausschuss Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Gemeinsam mit Manuel Hailfinger, Mitglied des Landtages Baden-Württemberg, lernte Lins vier LEADER-Projekte der Mittleren Alb kennen. Mit dabei waren unter anderem Pia Münch (stellvertretende Vorsitzende LEADER), Elisabeth Markwardt und Hannes Bartholl (Regionalmanagement LEADER) sowie Projektbetreiber. LEADER ist ein Förderprogramm, mit dem die Weiterentwicklung ländlicher Räume unterstützt wird. Dafür stellen die Europäische Union sowie das Land Baden-Württemberg Gelder zur Verfügung, mit denen Projekte bezuschusst werden.
Nach dem Mittagessen im Gestütsgasthof Offenhausen, ein Projekt zur Stärkung von Nahversorgung und Gastronomie, führte die Tour nach Münsingen ins Albgut. Familie Fischer begrüßte die Gäste und stellte das Projekt Manufaktur Alb-Ölmühle vor. Dort wird aus alten Kulturpflanzen von der Schwäbischen Alb wie Lein, Leindotter, Bucheckern oder Hanf schonend Öl gewonnen. Neben den eigenen Produkten wird auch eine Lohnpressung von Walnüssen für Privatkunden angeboten. Nach der Erklärung der einzelnen Schritte der Ölherstellung konnten verschiedene Öle verkostet werden. “Ohne LEADER wären unsere historische Ölmühle und die Manufaktur so nicht entstanden“, berichtete Berthold Fischer.
Anschließend wurde die Manufaktur von Emma’s Springerle besichtigt. Emma Schwarz hatte dank LEADER den Sprung von der ausgebauten Backstube im privaten Keller hin zur gläsernen Produktion inkl. Ausstellung und Verkauf von Models – für die Herstellung des Bildgebäcks – geschafft. Das Projekt wurde vom Regionalmanagement vorgestellt.
Ein Kennenlernen des Lagerhauses rundete den Besuch ab. Eberhard Laepple präsentierte die Kaffeerösterei, Chocolaterie mit Kakaorösterei und die Seifen-Manufaktur. Er erklärte die hauseigene Bean-to-Bar-Herstellung – den Prozess von der Kakaobohne bis zur fertigen Schokolade. Für eine Gaumenfreude sorgten Kostproben. „LEADER hat unserem Familienbetrieb ermöglicht, die Manufakturen zu eröffnen und dort nach unseren Leitplanken Regionalität, handwerkliche Herstellung und hohe Qualitätsansprüche arbeiten zu können. Wertschöpfung am Ort ist ein wichtiger Faktor für die Regionalentwicklung“, erzählte Herr Laepple.
Abschließend tauschten sich Lins und Hailfinger mit Münch, Markwardt und Bartholl zur Zukunft von LEADER aus. LEADER ist an den EU-Haushalt gekoppelt. Derzeit wird der Haushalt auf europäischer Ebene für die Jahre 2028-2034 verhandelt. Ein Entwurf sieht Neuordnungen mit tiefgreifenden Veränderungen für die ländliche Entwicklung und insbesondere LEADER vor. Dazu zählen beispielsweise ein fehlendes Mindestbudget, die Kürzung der EU-Kofinanzierung und die Abhängigkeit der Umsetzung von nationalen Prioritätensetzungen.
LEADER braucht politische Unterstützung
LEADER ist ein europäisches Vorzeigeprogramm für partizipative Regionalentwicklung, Demokratieförderung vor Ort und für die Umsetzung vieler großartiger Projekte auf der Mittleren Alb. Hier werden seit 2015 sektorübergreifend Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Kultur und Umwelt unterstützt sowie das bürgerschaftliche Engagement gestärkt. Daher betonten die LEADER-Mitstreiter gegenüber Lins und Hailfinger, dass ein solch erfolgreiches Programm finanzstark weitergeführt werden sollte. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen sind vitale und resiliente ländliche Regionen für eine widerstandsfähige Wirtschaft sowie ein soziales und friedliches Miteinander unverzichtbar.
LEADER ist unverzichtbar für die Stärkung der Demokratie
Für viele Bürger erscheint Europa als fernes politisches Konstrukt, welches auf regionaler Ebene oft kaum fassbar ist. Bekommt ein lokales Projekt europäische Fördermittel, dann ist dies direkt greif- und sichtbar. LEADER setzt auf lokale Beteiligung und regionale Eigenverantwortung. Das macht die EU vor Ort erlebbar und stärkt die Demokratie.






