Im Theater Tonne wird Inklusion gelebt – bereits seit 2005 ist die Theatergruppe mit Menschen mit Behinderung in regelmäßigen Produktionen zu erleben
Foto: Theater Reutlingen Die Tonne gGmbH

In der Tötungsanstalt Grafeneck, heute gelegen im LEADER-Aktionsgebiet Mittlere Alb, wurden im Jahr 1940 im Rahmen der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch Zehntausende Menschen mit Behinderungen ermordet. Das Theater Reutlingen Die Tonne setzt sich künstlerisch mit dem insbesondere für ganz Baden-Württemberg historisch-bedeutsamen Erbe auseinander. In Form eines multimedialen Kunst-Theaterprojekts wird an die Gräuel der Vergangenheit erinnert und breitenwirksam über direkte Begegnungen mit geistig und körperlich behinderten Darstellern des Theaters die Frage gestellt, wie die heutige Gesellschaft mit Diversität umgeht bzw. damit umgehen sollte.

Das Vorhaben ist ein inklusives, interaktives, spartenübergreifendes und multimediales Kunst-Theaterprojekt. Ziel ist eine künstlerisch-intensive sowie assoziationsreiche Auseinandersetzung mit der durch die Nationalsozialisten systematisch vorangetriebenen Ermordung von Menschen mit Behinderungen, wie sie in Grafeneck praktiziert wurde. Damit wird ein bisher einmaliger Beitrag zur Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Solidarität geleistet. Über direkte Begegnungen an verschiedenen, öffentlichen Plätzen werden nachhaltige Erlebnisse und Eindrücke geschaffen, die neue Impulse im Denken sowie im Umgang miteinander vermitteln.

Um der Bedeutsamkeit dieser Historie gerecht zu werden, müssen möglichst viele betroffene Orte einbezogen werden. Das ist nur mit einem bisher einmaligen LEADER-TRAFO-Projekt möglich – ein Gemeinschaftsprojekt mit 11 LEADER-Aktionsgruppen aus Baden-Württemberg. Mit einem Bus werden 25 Orte angefahren. Der Bus fährt mit dem inklusiven Ensemble vom Theater, Requisiten, Bühnenbild, Kunstobjekten, etc. direkt vor Ort, wo gemeinsam mit lokalen Akteuren und Institutionen, insbesondere Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, eine schauspielerische Aktion umgesetzt wird. Der Bus verweilt dabei mehrere Stunden an einem markanten, zentralen Platz und bietet verschiedene Begegnungen mit dem Ensemble. Das Schauspiel verbindet sich bei diesem Projekt mit Choreografie, Musik, bildender Kunst, Medienkunst, Interaktion und dokumentarischen Elementen.

Maßnahmen:

  • Aufführungen an 25 verschiedenen Orten in Baden-Württemberg
  • Zusammenarbeit mit Organisationen und Akteuren vor Ort
  • Schaffung einer temporären, sozial-kulturellen Begegnungsstätte

Ziele und Zielgruppen:

  • Inklusives, interaktives und multimediales Kunst-Theaterprojekt
  • Künstlerische Aufarbeitung der Massenmorde in Grafeneck
  • Beitrag zur Erinnerungskultur
  • Stärkung von Solidarität, Toleranz und Akzeptanz
  • Bereicherung des regionalen Kulturangebots
  • Sensibilisierung für Inklusion und die NS-Vergangenheit
  • Zielgruppe: Alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit, Bildung und körperlichen oder psychischen Einschränkungen; insbesondere Personen, die keinen Zugang zum Theater haben und die nicht unbedingt den Kontakt mit Menschen mit Behinderungen suchen würden

Projektinfo

Beschlussdatum: 26.11.2019
Status: Zur Förderung ausgewählt
Projektträger: Reutlinger Theater
in der Tonne e. V.
Primäres Handlungsfeld: Soziales und kulturelles Leben
Ort: 11 LEADER-Aktionsgebiete in Baden-Württemberg