Kulturelle Vielfalt im ländlichen Raum

Friedlinde Gurr-Hirsch (Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz) und Thomas Reumann (Landrat des Landkreises Reutlingen und Vorsitzender von LEADER Mittlere Alb e. V.) bei der Diskussionsrunde
Foto: Florian Lehrmann

Bei der Kulturplattform #2 der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ am 16. September 2017 diskutierten Vertreter von Kultur, Verwaltung und Politik im Alten Schulhaus in Hülben über zukunftsweisende Kulturarbeit im ländlichen Raum. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Programms „TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel“ der Kulturstiftung des Bundes statt.

Welche Kultur braucht der ländliche Raum? Und was braucht Kultur im ländlichen Raum? An welchen Kriterien kann gute Kulturarbeit im ländlichen Raum gemessen werden und welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit Kulturinstitutionen und Kulturakteure vor Ort lebendige Kulturangebote für und mit den Menschen umsetzen können?

Im Rahmen der Kulturplattform #2 am 16. September 2017 in Hülben wurden diese Fragen in vier Fachforen öffentlich diskutiert. Unter den über 120 Teilnehmern waren Kulturakteure, Vereine und Verbände, Bürger und Bürgermeister sowie Vertreter aus Verwaltung und Politik. An den Diskussionen beteiligten sich namhafte Vertreter der regionalen Kultureinrichtungen und Landesverbände, darunter Johannes Freyer, Präsident von Jeunesses Musicales Deutschland, Naemi Zoe Keuler, Präsidentin des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg, Jan Merk, Präsident des Museumsverbandes Baden-Württemberg, und Clemens Ottnad, Geschäftsführer des Künstlerbundes Baden-Württemberg.

In den verschiedenen Foren wurde betont, wie vielfältig die Kulturarbeit und deren Aufgaben im ländlichen Raum sind. Dementsprechend könne nicht zwischen guter und schlechter Kulturarbeit entschieden werden. Besonders fatal sei es, gute Kulturarbeit im ländlichen Raum an den Merkmalen städtischer Kulturangebote zu messen, da zukunftsweisende und nachhaltige Kulturarbeit nur auf der Grundlage der vorhandenen Lebensbedingungen entstehen kann. Vielmehr sollte danach gefragt werden, ob die vorhandenen Angebote zur gesellschaftlichen Entwicklung vor Ort beitragen und mit ihnen Zusammenhalt, Austausch und Innovation gefördert werden können. Um sich diesem Anspruch zu stellen, müssten aber auch die Rahmenbedingungen für Kulturschaffende im ländlichen Raum verbessert werden. Neben einer besseren finanziellen Unterstützung wurden weitere Bedingungen genannt, darunter das Engagement zentraler Personen vor Ort, der Rückhalt durch den Ortsvorsteher oder wichtige Multiplikatoren sowie das Bewusstsein für gute Kulturarbeit und Beratung bei Förderanträgen oder neuen Projekten.

Im Nachgang der Foren diskutierten Friedlinde Gurr-Hirsch (Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Petra Olschowski (Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Klaus Pavel (Landrat des Ostalbkreises und Projektträger), Thomas Reumann (Landrat des Landkreises Reutlingen) sowie Hortensia Völckers (Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes) über Fragen wie “Auf welche politischen Besonderheiten muss die Kulturförderung in ländlichen Regionen und kleineren Städten reagieren?” und “Welche kulturpolitischen Instrumente greifen, um die Kulturarbeit im ländlichen Raum langfristig zu unterstützen?”.

Auch die Kulturwerkstätten, die sich in der „Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb“ engagieren, brachten ihre Erfahrungen ein. Die Opernfestspiele Heidenheim, das Landestheater Tübingen, das Theater Lindenhof in Melchingen, das Federseemuseum Bad Buchau und die inter!m – Kulturhandlungen mit dem Museum Villa Rot in Burgrieden gaben Beispiele für innovative Kulturprojekte, die sie in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des TRAFO-Programms entwickelt haben. Sie verdeutlichten, wie Kultureinrichtungen in die Fläche wirken können, um mehr Menschen im ländlichen Raum mit Kunst und Kultur zu erreichen: Durch Theaterprojekte mit der Dorfbevölkerung, Erzählcafés, die musikalische Förderung von Kindern und Jugendlichen, durch archäologische Vermittlungsprojekte oder performative und mediale Gemeinschaftsproduktionen.

2017-09-21T18:11:40+00:00 21. 9. 2017|Aktuell|

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